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Chronik

der Stadkapelle Memmingen e.V.
 
Exzerpt aus dem Antrag zur „Pro Musica“ - Plakette von Ludwig Röhner vom 15. Dezember 1969
 
[...]
Aus den „Stadtpfeifern“, die bereits in der Zunftverfassung des Jahres 1350/1351 erwähnt sind, gingen die „Stadtmusikanten“ hervor. Die „Stadtmusikanten“ standen im Solde der Stadt, waren schon 1447 herkömmlich und wurden nur bei außerordentlichen Anlässen in verschiedenen Chroniken erwähnt. Auch die Organisten waren Stadtmusiker und hatten zeitweise die Aufsicht über dieselben.
 
Waren die Stadtmusiker bis zur Reformation hauptsächlich als Kirchenmusiker beim „Chorus musico“ eingesetzt, so unterblieb dies hernach eine zeitlang. Diese Einschränkung traf in erster Linie die als Organisten tätigen Stadtmusiker, da man die Orgeln aus den Kirchen entfernte.
 
Bald jedoch musizierte man wieder beim Gottesdienst und fand es beachtenswert in der Chronik festzuhalten, daß man einen „Zincken-Bläser“ anstellte, der zum Gesang zu blasen hatte.
 
1655 wurde von Liebhabern der Musik das „Collegium musicum“ gebildet, dem auch die Stadtmusikanten angehörten. Letztere (also die Stadtmusikanten) spielten bei Hochzeiten, Tanz und Umzügen, machte also „profane“ oder weltliche Musik, während sie im „Collegium musicum“ zusammen mit Liebhabern der Musik Kirchen- und klassische Musik ausübten. [...]
 
War durch die Zunftverfassung das heimische Handwerk und Gewerbe und auch unsere Stadtmusikanten vor fremdem Wettbewerb geschützt, so lockerte sich diese strenge Ordnung im Laufe de Zeit. Es kamen fremde Handwerker und auch Musiker nach Memminegn, die neues brachten, Noten und Instrumente.
 
Das „Collegium musicum“ entwickelte sich im 18.Jahrhundert mehr und mehr zu einer Konzerteinrichtung. Die „Stadtmusikanten“ lösten sich aus dieser Vereinigung und bereits 1794 zogen sie „mit türkischer Musik“ der Bürgerkompagnie voran.
 
[...]
 
1872 wollte man den Stadtmusikern einen neuen Status geben, indem man versuchte die „Memminger Musikgesellschaft“ zu bilden. Es blieb bei dem Versuch und die Stadtmusiker weiterhin unter der direkten Obhut der Stadt, wobei der Musikmeister ober Musikdirektor die Aufsicht und Leitung hatte. Die Stadtmusiker […] nannte man im Stile der Zeit „Chorus musico“, Blechmusik, Harmoniemusik, …] , und letztlich „Stadtkapelle“.
 
Ab dem Jahre 1778 wandten sich die Stadtmusiker immer mehr der „türkischen“ also der Blasmusik zu, sodaß von der Stadtverwaltung angeordnet wurde, der städt. Musikdirektor hätte auch für eine gute Streichmusik zu sorgen. […]
 
Eine Fülle von Veranstaltungen aller Art dieser Zeit bis heute, welche durch die Stadtkapelle bespielt wurden, würde Seiten füllen. So sei kurz erwähnt, daß seit langer Zeit durch die Stadtkapelle […] alle Jahre dem seit dem 16. Jahrhundert gefeierten Fischertag und dem ebenso alten Kinderfest die musikalische Note gibt […] , die von der Stadtverwaltung angeordneten städtischen oder staatlichen Feiern (seien es […] Geburts- und Namensfeste der Landesherren […] ) musikalisch ausgestaltet und unzählige Promenaden- bzw. Standkonzerte ausgeführt wurden […] . Selbst der 1. und der 2. Weltkrieg brachten die musikalische Arbeit der Stadtkapelle Memmigen nicht zum Erliegen, wenn man auch in kleinerem Maße musizierte.
 
Nach dem 2.Weltkrieg, bei welchem die Stadtkapelle neben dem Heldentod von rd. 25 Mitgliedern, den Verlust ihres gesamten Notenmaterials und fast aller Musikinstrumente […] zu verzeichnen hatte, war es für den damals eingesetzten Stadtkapellmeister Hermann Winthuys sehr schwer, den angeschlagenen Klangkörper wieder aufzubauen […] .
 
Um die Förderung und Weiterentwicklung der Stadtkapelle raschestens voranzutreiben, verzichtet man darauf, die Kapelle wie früher in mehrere Musikrichtungen […] aufzugliedern und beschränkte sich auf die Gattung „Blasorchester“. Hier legte man allerdings größten Wert auf konzertante Blasmusik, […] ,wobei aber auch guten Arrangements der […] Unterhaltungsmusik im Repertoire der Stadtkapelle ein Platz eingeräumt wird.
 
 […]
 
Die Besetzung der Stadtkapelle war im Laufe der Zeit folgende:
1655      6 Violinen und 5 Trompeten marine mit einer Pauke
1660      Trompeten Marinen, hölzerne Pauken und 12 unterschiedlichste Instrumente
1730      Violine I, II, Viola I,II, Viola de Amore, Flöte, Kontrabaß I, II, Organo, Klarinette I, II
1802      12 Stadtmusiker
1852       Blechmusik: Flügelhorn, Althorn, 2 Trompeten in B und C, 2 Trompeten in F, 2 Baß-Trompeten in C und B, Trombone und Bombardon
1860      Streichmusik: Violine I, II, Viola, Violoncello, Kontrabaß, Flöte, Klarinette I, II, Trombone
Blechmusik: Flügelhorn I, II in B, Trompete I, II in F, Trompete alto in B, Althorn, Baß-Trompete I, II, Trombone und Bombardon
Harmoniemusik: Flöte, Klarinette in Es, Klarinette I, II, III, Trompete I in B, Trompete II und III in Es, Trombone I, II, III, Bombardon, Schlagzeug
1923      Violine I und II, Viola, Violoncello, Kontrabaß, Flöte, Oboe, Klarinette I und II, Trompete I, II, Posaune, Klavier, Schlagzeug
1946      war die Stadtkapelle 24 Mann stark
1968      50 Mann in folgender Besetzung
               1 Dirigent
               1 Flöte, 1 Oboe, 1 Klarinette in Es, je 3 Klarinetten I, II, III in B
               je 1 Saxophon Alt in Es I, II und Tenor in B I, II
               je 2 Flügelhörner in B I,II, Trompeten in B I, II, III
               je 2 Tenorhörner in B I, II, 1 Tenorhorn in B III, 2 Bariton
               je 1 Waldhorn in Es I, II, III, IV
               je 2 Posaunen I, II, III, 4 Bässe
               kleine und große Trommel und Kesselpauken
 
 […]
 
Als Musikmeister der Stadtkapelle waren tätig:
1350 – 1478   jeweils der 1.Stadtpfeifer, deren Namen nicht überliefert sind
1478 -              Friedrich Rebman, Kantor
1598 – 1620   Stammler, Organist
1620 – 1655   J.Suppius, Organist bzw. Eiselin Kantor
1655 – 1671   Hans Jakob Koch, Musikdirektor
1671 – 1708   Andreas Elmer, Musidirektor
1708 – 1724   Chr. Ehrhardt, Musikdirektor
1724 – 1772   Jos. Conr. Elmer, Musikdirektor und Komponist
1772 – 1778   Syndikus von Schelhorn, Musikdirektor
1778 – 1802   Christof Rheineck, Musikdirektor und Komponist
1802 – 1807   Georg von Unold jr.
1807 – 1820   Jac. Fried. Hummel, Kapellmeister
1820 – 1848   Karl August Schügens, Musikdirektor
1848 – 1872   Ludwig Schügens
1872 – 1873   Otto Leeb, Musikmeister
1873 – 1885   Josek Jacobi, Musikmeister
1885 – 1893   Karl Schubert, Musikmeister
1893 – 1922   Albert Ostermayer, Musikdirektor
1922 – 1923   A.Dooß, Stadtkapellmeister
1923 – 1928   Angermayer, Stadtkapellmeister
1928 – 1934   Hermann Winthuys, Stadtkapellmeister
1934 – 1945   in der Zeit des Nationalsozialismus wechselten die Dirigenten öfters, da niemand sich den Anforderungen der
                          NSDAP unterwerfen wollte, sondern nur darauf bedacht war eben nur Musik zu machen.
                          Es waren die Herren Lutz Westermayer, Jakob Westermayer, Herm. Lutter
1945 – 1953   Hermann Winthuys, Stadtkapellmeister
1953 – heute  Otto Wilke
 
[...]
 
[Ende des Antrages]


                   
Albert Ostermayer            Hermann Winthuys / Otto Wilke       Herbert Becker

 
Die weiteren Stadtkapellmeister:
1971 – 1989   Herbert Becker
1990 – 1993   Rainer Rudisch
1994 – heute  Johnny Ekkelboom
 
 
Dieser ständige Wandel im Erscheinungsbild hat sich auch in den letzten Jahrzehnten fortgesetzt. Seit Beginn der 1970er Jahre wurde eine kontinuierliche Aufbau-Arbeit betrieben. Von den Dirigenten Herbert Becker und Rainer Rudisch wurde aus einem "Feierabend"-Orchester ein Klangkörper auf Höchststufen-Niveau auf- bzw. ausgebaut. Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Memmingen und in den letzten 15 Jahren auch mit der Musikschule Memmingen. Der Stadtkapelle Memmingen gehören heute ca. 65 Musikerinnen und Musiker an, von denen die meisten aus der eigenen Jugendkapelle hervorgegangen sind.
 
Seit 1994 ist Johnny Ekkelboom der musikalische "Chef" der Stadtkapelle Memmingen. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Orchester zu einem Klangkörper, der in Deutschland und dem europäischen Ausland keinen Vergleich zu scheuen braucht. Die Auszeichnungen und Platzierungen bei Wertungsspielen und Wettbewerben gegen Konkurrenz aus dem gesamten europäischen Raum und diverse Tätigkeiten als Prüfungs-Orchester von Musik-Hochschulen sprechen hier eine eigene, sehr beredete Sprache.
 
Neben dieser Liebe zur konzertanten, symphonischen Musik gehört zum Repertoire der Stadtkapelle Memmingen auch die Pflege der traditionellen Blasmusik, was insbesondere bei den Auftritten bei den (schon erwähnten) Memminger Heimatfesten zu hören ist.
 

Wichtige Auszeichnungen:

 
1995 Landesmusikfest Bayern in Füssen 4.Platz
1997 Landesmusikfest Nordrhein-Westfalen in Brilon 1.Platz
2000 Deutscher Orchesterwettbewerb in Karlsruhe 4.Platz
2005 WMC NL-Kerkrade, Goldmedaille
2008 Internationales Blasusikfestival Prag Silbernes Band
2008 Deutscher Orchesterwettbewerb in Wuppertal 2.Platz
2010 Landesmusikfest Baden-Württemberg, Prädikat: "mit hervorragendem Erfolg" in der Höchstklasse